Aktuelles

„Guten Morgen, Abendland! Europa ist mehr.“
Historische Diversity-Planspiele

Im Januar 2020 hat LIFE e.V. das Projekt „Guten Morgen, Abendland! Europa ist mehr“ gestartet. Das Modellprojekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms Demokratie Leben! bis Dezember 2024 gefördert. Es knüpft an das erfolgreich von LIFE e.V. entwickelte Diversity-Planspiel TOLEDO to do an und hat zum Ziel, weitere diversitätsbasierte, rassismuskritische historische-Diversity Planspiel-Materialien für Schule und Jugendbildung bereitzustellen.

Begegnungsgeschichte: Muslime in Europa

Foto: Karoline Kovac

Mit Geschichte und Erinnerung verknüpfen sich unweigerlich Anerkennungsprozesse, Fragen der Zugehörigkeit zur deutschen Gesellschaft und damit Diskurse um In- und Exklusion. In der historisch-politischen Bildung und im Geschichtsunterricht wird die historische Begegnung ‚der islamischen Welt‘ und Europas bislang aus einer nationalhistorischen und eurozentristischen Perspektive bzw. weitestgehend als kriegerische Konflikt- und Abgrenzungsgeschichte erzählt. Die historischen Diversity-Planspiele ermöglichen es, diese nationalen heterogenen Geschichtsnarrative aufzubrechen und bieten ein Forum für ein multiperspektivisches, transkulturelles historisches Lernen in der Einwanderungsgesellschaft. Die Diversity-Planspiele möchten dazu anregen, die Verwobenheit und Multiperspektivität der Geschichte ‚der islamischen Welt‘ und Europas in den Blick zu nehmen, Diversitäts- und Demokratiekompetenzen zu stärken und für die Gefahren, die von Diskriminierung, (antimuslimischen) Rassismus und Islamfeindlichkeit ausgehen, zu sensibilisieren. Historische Bewusstseins- und Identitätsbildung und die Vermittlung transkulturellen historischen Wissens ist heute auch wichtig, um rechten Bewegungen wirksam begegnen zu können, die versuchen mit ideologischen historischen Narrativen zum Beispiel zum ‚christlichen Abendland‘ politisch Einfluss zu nehmen.

Bundesweite Kooperation
Die Entwicklung und Erprobung der Planspiele findet in Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, der Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS), dem Gustav Stresemann Institut in Niedersachsen e.V., dem Zentrum für Europäische und Orientalische Kultur e.V. und der Europäischen Akademie Bayern statt und wird wissenschaftlich vom Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim (ZBI) begleitet. Im Rahmen des fünfjährigen Projektverlaufs wird die bundesweite Partnerschaft noch um weitere Bundesländer erweitert. Mit Unterstützung dieser Partner*innen können die innovativen neu entwickelten Planspiele bundesweit angeboten werden.

Veranstaltungsreihe: dialogischer Reflexionsraum in Berlin
Zudem findet in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung und der Alhambra- Gesellschaft eine Veranstaltungsreihe in Berlin statt, die einen Dialog von verschiedenen Akteur*innen aus Bildung, Wissenschaft und den Communities zu Fragen des transnationalen, diversitätsorientierten historischen Lernen in der Einwanderungsgesellschaft mit Blick auf ‚den Islam‘, die Muslime und Europa initiieren und zur dialogischen Weiterentwicklung der Diskurse beitragen will.
Kontakt: rahn@life-online.de

TOLEDO to do-Abschlusstagung am 15. August 2019: „Aus dem Mittelalter über Diversität und Antirassismus lernen?“

Am 15. August 2019 fand in den Räumlichkeiten von LIFE e.V. die gut besuchte Abschlusstagung des Projektes TOLEDO to do mit dem Titel „Aus dem Mittelalter über Diversität und Antirassismus lernen?“ statt.

Herr Heppener, Leiter des Referats 102 „Demokratieförderung“ im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, eröffnete mit einem herzlichen Grußwort die Tagung. Anschließend führte Prof. Dr. Viola B. Georgi (Leiterin Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim), die das Projekt wissenschaftlich begleitet hatte, in ihrem spannenden Vortrag ‚Diversity, Erinnerung und Geschichtslernen in der Migrationsgesellschaft‘ in den theoretischen Kontext ein.

Dabei arbeitete sie die Bedeutung der Darstellung von `Verflechtungsgeschichten´ bzw. der Verflechtung der verschiedenen nationalen Geschichtsnarrative in der historischen-politischen Bildung heraus und thematisierte die Notwendigkeit der Entwicklung diverser und globaler Geschichtsnarrative in unserem heterogenen Gesellschaften. Musikalisch wurde die Veranstaltung von der Kantorin Jalda Rebling und der Akkordeonistin Paula Sell mit sephardischer Musik und sehr lebendigen Geschichten begleitet.

Anschließend moderierte Aliyeh Yegane (Bereichsleitung Diskriminierungsschutz und Diversität, LIFE e.V.) die Podiumsdiskussion ‚Vom (National-) Geschichte lernen zum Geschichten lernen: Al-Andalus in der pädagogischen Praxis‘. Die Podiumsgäste Prof. Dr. Frederek Musall (Hochschule für Jüdische Studien Hildesheim), Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Ziebertz (Katholisch-Theologische Fakultät Universität Würzburg), Bacem Dziri (Institut für Islamische Theologie Universität Osnabrück) und Prof. Dr. Viola B. Georgi diskutierten u.a. die Notwendigkeit eines kritischen-historischen Geschichtsverständnisses, das Spannungsfeld des Mythos Al-Andalus und der historischen Tatsachen, die Funktion von Al-Andalus für von Vielfalt geprägte Bildungskontexte bzw. Al-Andalus als Anknüpfungspunkt für Jugendliche in der Migrationsgesellschaft und die Geschichtsbedürfnisse von jungen Menschen of Color jenseits der eurozentrisch, christlich dominanten Narrative und viele weitere interessante Aspekte. Es fand ein spannender Austausch zwischen den Wissenschaftler*innen aus den verschiedenen Disziplinen und mit den verschiedenen, eigenen – christlichen, jüdischen und muslimischen – Blickwinkeln statt, die sich gegenzeitig ideal ergänzt haben.

Im Nachgang zu der Veranstaltung meldeten zahlreiche Teilnehmende zurück, dass die Diskussionen ihnen auch für die Bildungspraxis viele neue Anregungen und Impulse vermittelt hat.
Der Vortrag von Frau Prof. Georgi kann hier nachgelesen werden.